Republik 06/2010

Thema Jobs im Öffentlichen Dienst Text Andrea Krieger Das öffentliche Leiden junger Akademiker Ob frisch gebackener Jurist, Doktor der gesamten Heilkunde oder WU-Absolvent: Auf den ersten Blick scheint der öffentliche Sektor ein potenter Aufnahmepool für Akademiker zu sein. Eine Studie zeigt nun, dass immer weniger Uni-Absolventen im Schoss von Vater Staat landen. Jobsicherheit, Chancengleichheit, eine bessere Work-Life-Balance und laut Rechnungshof auch höhere Gehälter: Das alles zieht Jungakademiker magisch am öffentlichen Sektor an. Die Chancen dort zu landen, stehen momentan aber schlechter als früher. Das ist eines der Ergebnisse der Studie „Zwischen Akademikermangel und prekärer Beschäftigung“ des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (IBW). Darin heißt es: „Die Beschäftigung im vorwiegenden öffentlichen Sektor hat sich von rund 50 Prozent auf unter 43 Prozent der Erwerbspersonen mit Hochschulabschluss reduziert.“ Unter dem „vorwiegenden öffentlichen Sektor“ verstehen die H I N T E R G R U N D Problemfall Bachelor Anders als der Master, Magister, Doktor oder Diplomingenieur gilt ein Bachelor oder Bakkalaureus nicht als A-Beamter und damit nicht als Akademiker. Das wirkt sich auf die Bezahlung, aber auch auf die Aufstiegsmöglichkeiten aus. So kann ein Beamter mit Bachelor-Abschluss derzeit nicht Sektionsleiter werden. Darüber, dass sich der Status des Bakkalaureus verbessern muss, herrscht Einigkeit. Fraglich ist allerdings, ob es zu einer Gleichstellung kommen wird, wie von der Universitäten- konferenz vehement gefordert, oder nur zu einer Annäherung zu den A-Beamten, wie BKA-Sektionsleiterin Angelika Flatz glaubt. Wie immer die Entscheidung ausfällt, sie hat auf jeden Fall eine Beispielwirkung für die Privatwirtschaft. Den Bachelors im Öffentlichen Dienst bringt die Änderung ein Imageverbesserung, jedoch selten tatsächliche finanzielle und Karrierevorteile. „Eingestellt werden heute nämlich nur mehr Vertragsbedienstete und hier spielt der Titel ohnehin keine Rolle, weil es um die Funktion und nicht um die Vorbildung geht“, sagt Flatz. 24 Juni 10 Studienautoren Arthur Schneeberger und Alexander Petanovitsch alle überwiegend öffentlich finanzierten Dienstleistungen. Dazu zählt das Autorenduo neben der Öffentlichen Verwaltung die Sparten Erziehung und Unterricht, das Gesundheits- und Sozialwesen, die Bereiche Kunst, Unterhaltung und Erholung, die Landesverteidigung und die Sozialversicherung sowie exterritoriale Organisationen und Körperschaften. Sparstift Dass die Öffentliche Hand, was die Einstellung von akademischem Personal betrifft, seit Anfang der 1990er Jahre nicht Welche Zukunft haben Akademiker im öffentlichen Dienst? mehr mit der Privatwirtschaft mitkommt, überrascht Bildungsforscher Schneeberger wenig. „Angesichts einer Studienanfängerquote von über 31 Prozent kann der öffentliche Sektor die Hochschulexpansion eben nicht mehr aufsaugen wie ein Schwamm. Es gibt eine Grenze dessen, was der Steuerzahler finanzieren will“, sagt der Experte. Das bestätigt nicht zuletzt der Aufnahmestopp. Abgesehen vom Sicherheits- und Erziehungsbereich lautet die Lösung: Nur jede zweite pensionierte Person ist nachzubesetzen. „Allein beim Bund, der mit 31 Prozent den höchsten Anteil von Akademikern unter den Beschäftigten hat, wurden seit 1999 10.000 Vollzeitstellen eingespart“, sagt Sektionsleiterin Angelika Flatz, im Bundeskanzleramt (BKA) für den Öffentlichen Dienst zuständig. Dennoch sei dort der Anteil der Hochschulabsolventen an den Beschäftigten seit 1998 sogar um zwei Prozent gestiegen. Allerdings hat sich im selben Zeitraum die Akademikerquote der Privatwirtschaft mit einem Plus von fünf Prozent eben noch stärker erhöht. Bildungsexperte Schneeberger verweist auf die absoluten Zahlen seit 1991: „Im privaten Dienst- leis-tungs- und Produktionsbereich hat sich die Akademikerbeschäftigung zwischen 1991 und 2008 von rund 97.700 auf rund 254.000 gesteigert. Im öffentlichen Sektor hingegen nur von 99.400 auf 192.000.“ Der Staats- und staatsnahe Dienst könnte jedoch bald wieder aufholen. Denn ab 2015 geht laut BKA die größte Alterskohorte in Pension. Dann geht der Traum vom Job bei Vater Staat hoffentlich für Akademiker wieder öfter in Erfüllung.

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