Privat Interview Stefan Grampelhuber „Bei Personalentscheidungen bin ich selbstkritisch“ REPUBLIK bittet Top-Manager der Öffentlichen Hand zum etwas anderen Wordrap: Karl Mahrer, Wiener Landespolizeikommandant, spricht über das kreative Potenzial des eigenen Berufsstandes und die Beschädigung des kollektiven Sicherheitsgefühls. Herr General, auf welches Ereignis freuen Sie sich gerade? Ich freue mich auf einen prächtigen Sommer, in dem auch die Einbrecher Urlaub in ihren Herkunftsländern machen. Sie sind seit 35 Jahren bei der Polizei. Welche Situation in dieser langen Zeit ist Ihnen am meisten in Erinnerung? S T E C K B R I E F Karl Mahrer Geboren: 4. März 1955 in Wien 19 – 1981: Bundespolizeidirektion Wien, Beamter in der Sicherheitswache-Abteilung Ottakring 1981: Ausbildung zum dienstführenden Beamten 1982: Bundespolizeidirektion Wien, Wachkommandant in Ottakring 1982 – 1984: Ausbildung zum leitenden Beamten (Offiziersausbildung) 1984 – 2005: Bundespolizeidirektion Wien (u.a. in verschiedenen Sicherheitswache-Abteilungen tätig; von 1991 bis 2000: Kommandant der Hietzinger Sicherheitswache; danach Leiter der Logistikabteilung im Generalinspektorat und Generalinspektor-Stellvertreter) 2005 – 2006: Stellvertreter des Landespolizeikommandanten für Wien 2006 – 2009: geschäftsführende Leitung des Wiener Landespolizeikommandos 2009: Besuch des Studiengangs „Polizeiliche Führung“ an der FH Wiener Neustadt (Abschluss: Bachelor of Arts) Seit 2 .1.2009: Landespolizeikommandant für Wien Karl Mahrer ist verheiratet und Vater einer Tochter. 4 Juni 10 Es war das Eröffnungsspiel des Wiener Ernst-Happel-Stadions. Österreich hat damals (Anmerk.: 1986) gegen Deutschland 4:1 gewonnen. Ich war Kommandant eines Einsatzabschnitts. Die Stimmung im Fansektor werde ich nie vergessen. Haben Sie einen Lieblingsplatz in Wien? Mein Lieblingsplatz ist der Wiener Rochusmarkt. Da kann man nach Belieben bummeln und einkaufen oder bei einem guten Glas Wein die Seele baumeln lassen. Wie würden Sie sich selbst in einem Satz beschreiben? Im Bestreben nicht das Problem, sondern die Lösung zu suchen. Gibt es ein prägendes Erlebnis in Ihrer Kindheit, an das Sie sich noch heute erinnern? Leider war es der plötzliche Tod meines Vaters, der mich mit 17 Jahren in die Rolle des Familienerhalters gestoßen hat. Was empfinden Sie als den größten Luxus in Ihrem Leben? Zeit für ein gutes Buch. Welches liegt derzeit auf Ihrem Nachtkästchen? „Der Sieger bleibt allein“ von Paolo Coelho. Welche Entscheidung hätten Sie gerne anders gefällt? Hier gibt es keine Einzelantwort – aber bei so manchen Personalentscheidungen bin ich schon recht selbstkritisch und lerne daraus. Über welche Tatsache sind Sie am unglücklichsten? Dass das Sicherheitsgefühl der Menschen sehr oft aus parteipolitischen Gründen oder wegen höherer Auflagen und Quoten beschädigt wird. Was ist der größte Irrtum der meisten Österreicher? Ich sehe als größten Irrtum, dass Integration und Kriminalität zu einem Problem zusammengefasst werden. Was hat Sie an Ihrer beruflichen Tätigkeit positiv überrascht? Dass der Beruf des Polizisten viel mehr Kreativität erfordert, als man allgemein vermutet. Was ist derzeit Ihre größte Herausforderung? Aus zwei Wachkörpern – uniformierte Sicherheitswache und ziviles Kriminalbeamtencorps – nicht nur am Papier, sondern auch in den Herzen eine Organisation zu machen. Das wird zumindest eine Generation dauern. Sind Sie telefonisch immer erreichbar? Ja, einzige Ausnahme ist der Urlaub und da gibt es SMS. Worauf sind Sie persönlich stolz? Dass mir täglich Mitarbeiter mit Freude an der Arbeit begegnen. Landespolizeikommando Wien
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