„Österreichs besteWeißweine“ erscheint regelmäßig vor dem Sommer, vor allem um der heimischen Gastronomie eine wichtige und unabhängige Entscheidungshilfe zu bieten. Es ist eine schöne Aufgabe, jedes Jahr im Frühling eine Juryverkostung abzuhalten,um die besten aktuell am Markt erhältlichenWeißweine unseres Landes zu küren. Die Besten? Es gibt in Österreich mehr als 6.000 flaschenfüllende Betriebe. Im Land der Sortenvielfalt ist es daher nicht erstaunlich, dass dabei jeder Betrieb im Durchschnitt über ein halbes Dutzend Weine produziert. Jahr für Jahr. Nachdem es für die Teilnahme an unserem Guide aus gutem Grund keine Jahrgangsbeschränkung gibt – die Weine müssen in ausreichender Menge aktuell für die Gastronomie erhältlich sein –, kann man also von einem Reservoir von Zigtausenden potenziellen Siegerweinen sprechen. Sowohl für die Produktion unserer hohen Auflage von über 13.000 Exemplaren sowie für Organisation und Abwicklung ist ein Nenngeld (wie auch bei anderen seriösen Weinguides) unumgänglich. Mit anderen Worten: Die Weine müssen daher angemeldet werden. Weinproduzenten sollen sich im Vorfeld selbst fragen, ob sie glauben, dass ihre Weine zu den besten des Landes zählen und ob ihnen faire Bedingungen und die Präsenz in der Gastronomie einen kleinen Beitrag wert sind. Wir bedanken uns jedenfalls bei all jenen Winzern, die uns diesmal fast um die Hälfte mehr Proben als im Vorjahr geschickt haben und mit diesem Guide einen aussagekräftigen Überblick ermöglichen. Über den Witterungsverlauf des „Wunderjahrs“ 2009 (die meisten Weine dieser Ausgabe stammen schließlich aus diesem Jahrgang) ist schon viel geschrieben worden, hier nur so viel: Allgemein kann man von einem großen Riesling-Jahrgang sprechen, der sich unter die großen „9er“ einreihen wird. Und eine neue Interpretation des Kürzels GV hat Juror Stefan Metzner aus München gefunden: „Steht für Ganz Vorn.“ Denn die Qualitätsdichte der österrei- Editorial Willkommen im WeissWein-Wunderland! chischen Paraderebsorte zeigt sich auch in diesem Jahrgang – der bis Mitte Juli außer feucht nur nass verlief – wirklich beeindruckend. Die früheren, dünnschaligeren Sorten wie Weißburgunder oder Roter Veltliner hatten es da schon schwerer,hier zeigte sich die Handschrift des Könners besonders deutlich. Heuer haben wir uns für eine Woche ins Weinviertel zurückgezogen, um mit durchschnittlich acht Juroren weit über 400 Weine blind zu verkosten – ein Tagespensum von über 70 Weinen, also gerade noch gut zu erledigen. Alle Weine hatten die gleichen Bedingungen und wurden im selben Personenkreis zur gleichen Zeit verkostet – das verstehen wir unter größtmöglicher Objektivität. Durch die große Zahl der Juroren kristallisiert sich bei jedem Wein ein aussagekräftiges Bild heraus: Einander ähnliche Beschreibungen zu Geruch, Geschmack und Struktur, von mehreren Verkostern festgehalten, fanden Eingang in die Weinbeschreibungen. Die Texte stellen daher eine gelungene Synthese dar, ebenso wie die Wertungen in Gläsern. Leichtere und „einfachere“ Weine wie Welschriesling, Rosé oder Schaumweine wurden in einer zweiten, kleineren Jury mit zumindest vier Mitgliedern verkostet. Gerade weil dieser Weinguide für die Gastronomie konzipiert wurde, haben wir einige wichtige Änderungen vorgenommen.Zunächst wurde die Jury breiter aufgestellt und mit renommierten Profis aus der Sommelierie, dem Weinhandel und dem Weinbau aus Österreich und dem Ausland besetzt. Dann haben wir uns entschieden, die Aufnahme von Fassproben stark einzuschränken, stellt doch der noch nicht gefüllte Wein keineswegs einen fertigen Wein dar. Schätzungenund„Gefälligkeitsbewertungen“lehnen wir ab. Die wichtigsten Partner des Weins aus Österreich sind mit Abstand die heimischen Gastronomen und deren Servicemitarbeiter. Also die Leser der ÖGZ. Für sie wurde dieser Guide mit Sorgfalt und Liebe zusammengestellt. Viel Vergnügen und auf Ihr Wohl! Walter Tucek Wolfgang Schedelberger Österreichs beste Weissweine 2010
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