Republik 05/2010

Photos.com manche lassen sich sogar adoptieren oder schwängern eine Frau – weil der soziale Aspekt eine Abschiebung quasi unmöglich macht“, sagt der Zielfahndungschef. Eine ausgesprochen gute Kooperation aller international Beteiligten habe in diesem Fall innerhalb von drei Tagen einen nationalen Haftbefehl und die Zusicherung der Auslieferung erwirkt. Zielfahndungsfälle werden übrigens I N T E RV I E W Rudolf Unterköfler leitet das Büro für Wirtschafts- und Finanzermittlung im Bundeskriminalamt. Je nach Fall arbeiten Zielfahnder eng mit ihm zusammen. REPUBLIK sprach mit ihm über den Anstieg von Wirtschaftsdelikten, den finanziellen Schaden und Täterprofile von Zielpersonen. Gab es in den vergangenen Jahren einen Anstieg bestimmter krimineller Delikte? Ja, durch die Finanzkrise sind die Wirtschaftsdelikte massiv gestiegen. Auch in Österreich sind einige Unternehmen im Finanzsektor in Schief lage geraten, die jetzt Gegenstand polizeilicher Ermittlungen sind. Für uns ist das ressourcenfressend, weil wir es mit international weit verzweigten Unternehmen zu tun haben und jetzt sehr große Datenmengen sichten und ausarbeiten müssen. Wie würden Sie die Täter charakterisieren, denen Sie auf der Spur sind? Unsere Täter sind in der Regel keine Gewalttäter, in erster Linie sind es Betrüger. In den vorigen Jahren hat sich allerdings gezeigt, dass einige Betrüger auch vor Gewalt nicht zurückschrecken. Betrug ist immer ein Selbstschädigungsdelikt. Ein Betrüger macht alles, um das Vertrauen seiner Opfer zu gewinnen und an deren Geld heranzukommen. Er bedient sich dann oft weit verzweigter Firmenstrukturen, um die Gelder, die er aus kriminellen Handlungen gewinnt, wieder in den Wirtschaftskreislauf einzuschleusen. grundsätzlich von Zielfahndern abgeholt. Das hat mehrere Gründe: „Zum einen wollen wir diese Menschen kennenlernen. Wir wollen uns mit ihnen über ihren Fall und das Fluchtverhalten unterhalten und daraus lernen. Die meisten Menschen sind bei der Heimreise sehr kooperativ“, schildert Reinmüller. Mit einer speziellen Methodik der systematisierten Fahndung hat sein Team bereits viele Menschen „Eine neue Identität ist unter Kriminellen zur Handelsware geworden“ Welcher finanzielle Schaden entsteht durch solche Tätergruppen? Der Schaden ist immens. Die Zahlen, die in der Öffentlichkeit kursieren, sind sehr unterschiedlich. Es gibt Zahlen, die allein im Korruptionsbereich und auch im Geldwäschebereich von je bis zu 25 Mrd. Euro ausgehen. Im Sozialbereich wird von bis zu fünf Mrd. Euro gesprochen. Da es eine einheitliche Definition von Wirtschafts- und Finanzkriminalität nicht gibt, ist es schwierig, einen konkreten Schaden zu benennen. Jedenfalls kann von einem jährlichen volkswirtschaftlichen Schaden in einem zweistelligen Milliardenbetrag ausgegangen werden. Welche Gemeinsamkeiten haben Täter, die sich unter falschem Namen ins Ausland absetzen? Die Triebfeder jedes Kriminellen ist Geld. Wenn er sein Ziel erreicht und Millionen gesammelt hat, wird er versuchen, sein Geld ins Trockene zu bringen und sich einen ruhigen Lebensabend zu verschaffen. Auch eine neue Identität ist unter Kriminellen zu einer Handelsware geworden. Die Delikte der Zielpersonen werden oft schon mit gefälschter Identität begangen. Wie sicher oder trügerisch sicher ist so ein Lebensabend auf einem anderen Kontinent? Die Polizeien sind weltweit vernetzt. Bei schweren Delikten kann man davon ausgehen, dass kein Staat daran interessiert ist, diese Leute zu schützen. Wichtig ist, die entsprechenden Spuren Projekte Öffentliche Sicherheit durchleuchtet und Puzzleteile von der Geburt eines Menschen bis zur Flucht erfolgreich zusammengebaut. Mit dem Ziel, in jedem EU-Mitgliedstaat eine eigene Zielfahndungseinheit zu haben, hilft Reinmüller beim Aufbau neuer Organisationen. Ein funktionierendes Netz verspreche einen Anstieg der Fahndungserfolge. „Derzeit sind wir eine kleine Familie“, so der Zielfahnder. aufzunehmen und diese dann wirklich bis zum Täter nachzuvollziehen. Das ist zwar langwierig, aber mit den Instrumenten, die vorhanden sind, gelingt das immer wieder. Wirtschafts- und Finanzbetrüger pf legen in der Regel einen aufwendigen Lebensstil, sodass sie oft schon nach wenigen Jahren wieder rückfällig werden. Dies erhöht die Chancen der Sicherheitsbehörden, dass sie früher oder später aus dem Verkehr gezogen werden können. Wie erfolgreich ist das BK bei der Aufdeckung von Offshore-Firmen? Diese Firmen sind ein Problem, weil sie weltweit verstreut sind. Hier kommt es sehr stark auf die internationale Zusammenarbeit an, und diese ist sehr ressourcen- und zeitaufwendig. Wirtschaftsfälle, die international verzweigt sind, dauern oft Jahre, bis sie abgearbeitet sind. Beigestellt „Der Schaden ist immens. Bei der Geldwäsche kann man von + 25 Mrd. Euro ausgehen.“ Mai 10 1

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