Republik 05/2010

Privat Interview Stefan Grampelhuber „Ich schaue nicht wankelmütig zurück“ REPUBLIK bittet Topmanager der Öffentlichen Hand zum etwas anderen Wordrap: Johanna Rachinger, die Direktorin der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB), schwärmt von den Kochkünsten ihrer Mutter und bangt um die Finanzierung eines weiteren Tiefspeichers. Haben Sie einen Lieblingsplatz in der Österreichischen Nationalbibliothek? Der Hauptlesesaal ist einer meiner Lieblingsorte, wobei ich mich auch an anderen Plätzen gerne aufhalte. Ende April wurde ein neuer Lesesaal am Hel- S T E C K B R I E F Johanna M. Rachinger Geboren: . Jänner 1 60 in Putzleinsdorf (OÖ) Ausbildung: Studium der Theaterwissenschaft und Germanistik an der Universität Wien (Dissertation: „Das Wiener Volkstheater in der zweiten Hälfte des 1 . Jhdt. unter besonderer Berücksichtigung des Dramatikers Ludwig Anzengruber“, Wien 1 86) 1 87–1 88: Lektorin beim Wiener Frauenverlag (heute Milena-Verlag) 1 88–1 2: Leiterin der Buchberatungsstelle des Österreichischen Bibliothekswerks in Salzburg 1 2–1 5: Programm-Managerin „Kinder- und Jugendbuch“ im Verlag Carl Ueberreuter (ab 1 Prokuristin) 1 5–2001: Geschäftsführerin des Verlags Ueberreuter Seit Juni 2001: Generaldirektorin der ÖNB 200 –200 : stellvertr. Vorsitzende des Österreichischen Wissenschaftsrates Seit April 200 : Aufsichtsrätin der „Die Erste österreichische Spar-Casse Privatstiftung“ Johanna Rachinger ist verheiratet und hat keine Kinder. Sie erhielt 200 den Wiener Frauenpreis. 50 Mai 10 denplatz eröffnet. Diesen Raum empfinde ich als besonders angenehmen Ort. Überhaupt habe ich eine große Schwäche für Lesesäle – auch im historischen Augustinerlesesaal bin ich gerne. Wie würden Sie sich selbst in einem Satz beschreiben? Ich bin ein disziplinierter, klar strukturierter und zielorientierter Mensch, mit einem hohen Grad an Durchsetzungsvermögen. Gibt es ein prägendes Erlebnis in Ihrer Kindheit, an das Sie sich noch heute erinnern? Ich erinnere mich gerne an die Zeit im Gasthaus meiner Eltern zurück, in dem ständig geselliges Treiben herrschte. Ich habe das als Kind sehr genossen, habe mich viel mit den Gästen unterhalten, ihnen Gesellschaft geleistet. Dieses Umfeld prägt mich natürlich in gewisser Weise bis heute – ich liebe es, Gäste zu haben, fühle mich bei einem Essen mit guten Freunden wohl und unterhalte mich auch sonst sehr gerne mit Menschen. Welche Entscheidung hätten Sie gerne anders gefällt? Ich treffe Entscheidungen nach reiflicher Überlegung, sind diese dann einmal gefällt, stehe ich dazu und schaue nicht wankelmütig zurück. Ich vertraue meiner Entscheidungskraft. Gibt es etwas, wovon Sie nie genug bekommen können? Ich würde mich prinzipiell als maßvollen Menschen bezeichnen, kann aber bei meinem, von meiner Mutter zubereiteten Lieblingsgericht, Erdäpfelnudeln mit Sauerkraut, manchmal nicht genug bekommen. Über welche Tatsache sind Sie am unglücklichsten? In Kürze werden die Kapazitäten des Bücherspeichers unter dem Burggarten ausgeschöpft sein. Die Finanzierung des von mir geforderten weiteren Tiefspeichers unter dem Heldenplatz ist nicht gesichert. Da die ÖNB jedoch von Gesetzes wegen zum Sammeln und Archivieren der Neuerscheinungen verpflichtet ist, gilt mein Engagement weiterhin diesem wichtigen Projekt. Ich habe dem zuständigen Ministerium bereits ein alterna- tives Finanzierungsmodell – ein so genanntes PPP-Modell (Anmerkung: PPP = Private Public Partnership) vorgeschlagen. Die Umsetzung dieses Modells ist machbar. Welches Buch liegt derzeit auf Ihrem Nachtkästchen? Momentan lese ich Arno Geigers neuen Roman „Alles über Sally“. Ein faszinierendes Buch, das die Geschichte der Ehe einer über 50-jährigen Frau auf einfühlsame Art und Weise beschreibt. ÖNB

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