Christandl Stefan Grampelhuber, Chefredakteur Jürg Ohne nationale Scheuklappen Die Bewertung vieler Wörter ist kontextabhängig. Das beste Beispiel: die Globalisierung. Sie verliert sofort ihren negativen Beigeschmack, wenn im selben Satz von „Forschung“ die Rede ist. Der internationale Austausch von Wissen oder von Techniken, um zu Wissen zu gelangen, kommt jedenfalls besser an als etwa die globale Erwärmung oder die Verlagerung von Produktionsstätten in Billiglohnländer. Der französische Chemiker Louis Pasteur wusste das schon Mitte des 19. Jahrhunderts. Mit dem Satz „Zwar hat der Gelehrte ein Vaterland, nicht aber die Wissenschaft“ war Pasteur seiner Zeit voraus. Denn damals war Forschung noch eine rein national orientierte Tätigkeit. Internationale Vernetzung gab es kaum. Initiativen wie CERN oder EUREKA änderten dies in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 54 Mrd. Euro beträgt das Budget des derzeit laufenden, siebten EU-Rahmenforschungsprogrammes. Es ist damit einer der größten Posten im EU-Haushalt. Dennoch: Innerhalb der Union ist man weit von einem gemeinsamen Forschungsraum entfernt, nationale Befindlichkeiten geben noch immer den Ton an. Dieser wäre allerdings dringend nötig, um die negativen Folgen der Globalisierung abzufedern. Schließlich ist es kein Geheimnis mehr, dass Europa nicht so günstig wie die aufstrebenden Wirtschaftnationen in Asien produzieren kann. Und es mangelt an Rohstoffen. Außerdem wollen wir in Energiefragen ein Vorzeigekontinent werden und die Umwelt weniger belasten. Alle diese Herausforderungen lassen sich ohne Forschungsvorsprung nicht lösen. Eine koordinierte gesamteuropäische Forschungspolitik – ohne nationale Scheuklappen – würde diese Vorhaben wesentlich effizienter einer Lösung näher bringen. B. Klaczak Gertraud Eibl Wolfgang Tucek Christina Leitner Die neue FTI-Strategie, die im Juni 2010 präsentiert wird, soll den österreichischen Weg in den europäischen Forschungsolymp ebnen. Bis 2020 will die Alpenrepublik schließlich ein europaweit führender Forschungsstandort werden. Der REPUBLIK-Schwerpunkt „Forschung & Innovation“ in der vorliegenden April-Ausgabe will als Kick-off dafür dienen. Gertraud Eibl hat für die Covergeschichte mit Experten gesprochen, um über erste Details aus dem Strategie-Papier zu berichten (S. 10). Durch das Dickicht der Verteilungskanäle für EU-Forschungsgelder hat sich Wolfgang Tucek geschlagen und sich angesehen, welche Rolle die Forschung in der Wirtschaftsstrategie „Europa 2020“ spielt (S. 22). Mit Forschungsaktivitäten in den Museen hat sich Christina Leitner beschäftigt und kennt Neuigkeiten rund um das BMWF-Förderprogramm „forMuse“ (S. 26). P.S.: Sie haben Anregungen zu REPUBLIK-Beiträgen aus Ihrem Umfeld für eine der nächsten Ausgaben? Dann zögern Sie nicht, mich zu kontaktieren: s.grampelhuber@republik-online.at Editorial April 10
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