Republik 04/2010

Thema Kommunikation Interview Lukas Wiesboeck „In Kälte und in Not ist der Mittelweg der Tod“ Kommunikation ist bei Reformprojekten oft der entscheidende Erfolgsfaktor. In Deutschland setzt man dabei auf zentrale Koordination. Béla Anda, ehemaliger Regierungssprecher unter Gerhard Schröder, gilt als Architekt dieser Kommunikationsstrategie. REPUBLIK verriet er, wann der beste Zeitpunkt für schlechte Nachrichten ist und welche Vorteile ein Newsroom für die Regierungs-PR bietet. „Reformpolitik läuft immer Gefahr, sehr schnell und sehr stark kritisiert zu werden.” AWD 4 April 10 In Deutschland wird die Regierungskommunikation zentral gesteuert, in Österreich geht jedes Ministerium individuell vor. Was sind die Vorteile des deutschen Modells? Auch in Deutschland legt jedes Ministerium Wert darauf, seine eigene Öffentlichkeitsarbeit zu machen. Die Vorteile einer Koordinierung, so wie ich sie für die mit Umsetzung der Agenda 2010 befass- ten Ministerien durchgesetzt habe, sind eine bessere Steuerung und Abstimmung der Werbe- und Kommunikationsmaßnahmen. Konkret: Die Kampagnen des Familienministeriums, des Gesundheits- und des Wirtschaftsministeriums sowie des Bildungsministeriums ähnelten sich in Optik und Darstellung. Dadurch blieb die Agenda für die Menschen als Marke erkennbar. Die Vielfältigkeit der Aktivitäten hat sich dabei aber gegenseitig verstärkt. Während Ihrer Zeit als Regierungssprecher haben Sie die Struktur des Bundespresseamts erneuert. Welche organisatorische Aufstellung braucht Regierungskommunikation heute, um den Anforderungen der modernen Medienlandschaft gerecht zu werden? Ich habe direkt nach meinem Amtsantritt im Jahr 2002 einen der ersten Newsrooms eingerichtet, lange bevor viele Redaktionen das getan haben. Der „Spiegel“ hat sich darüber lustig gemacht. Heute, acht Jahre später, steht den Redakteuren dort ein ähnlicher Schritt bevor. Grundsätzlich braucht Regierungskommunikation technisch drei starke Komponenten. Erstens: Strategie mit entsprechenden Kapazitäten zur Formulierung und Erläuterung wichtiger Regierungsvorhaben für die Öffentlichkeit. Zweitens: Technik, um all die eingehenden Meldungen schnellstmöglich auszuwerten und weiterzuleiten. Und drittens: eine starke aktualitätsbezogene Einheit, die „Sprachregelungen“ im Namen des jeweiligen Ministers per Mail, Blog, Twitter oder Pressemitteilung verteilt. Bei Regierungschefs kommt die Rei-

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