Republik 04/2010

Reise nach Fernost Die Mingvase dürfte gerade ihre Renaissance erleben: Ein asiatischer PC- Hersteller hat zumindest erst kürzlich bekannt gegeben, die erste Version mit integriertem Rechner auf den Markt zu bringen. Hinter dem ungewöhnlichen Gehäuse verbirgt sich laut Auskunft des Herstellers eine 500-GByte-Festplatte, der Flaschenhals soll zur Kühlung dienen. In der Ausstellung des MAK, die am 21. April startet, wird dieses besondere Exemplar wohl nicht zu sehen sein, hier hat man sich eher auf die Zeit von 1368 bis 1644 konzentriert und die Ming-Highlights der hauseigenen Asiensammlung zusammengetragen. Die chinesische Dynastie ist für ihre großen Bauvorhaben wie die Verbotene Stadt oder die Große Mauer und die außerordentliche Qualität ihres Kunsthandwerks bekannt. In Europa und selbst in China bestätigen viele Kopien und Arbeiten im Stil der Ming-Dynastie, wie diese später geschätzt wurde. Im China des 14. bis 17. Jahrhunderts wurden in Politik, Handel und Kunstbetrieb Veränderungen vorangetrieben, die sich unter anderem an den erhaltenen Werken ablesen lassen. Das Kaiserreich begann am Welthandel teilzunehmen, erlebte aber innenpolitisch unruhige Zei- I N F O Service & Info Ausstellung Die blau-weiße Mingvase prägte lange Zeit die europäische Vorstellung von der chinesischen Porzellankunst. Dass dahinter noch viel mehr steckt, zeigt nun eine Ausstellung im MAK. links oben: Vase in archaisierender Form, erste Hälfte des 17. Jhd., Kupfer mit Resten der Vergoldung und Dekor in mehrfarbigem Zellenemail rechts oben: Acht Unsterbliche, 15. bis 16. Jhd., Bronze gegossen unten: Schale, zweite Hälfte des 14. Jhd., Holz mit Schnitzlack in verschiedenfarbigen Lackschichten („Guri-Lack“) ten. Großen Neuerungen waren die Freigabe von Produktion und Handel sowie die Organisation in Familien- und Ortsbetrieben. Die im Spannungsfeld von kleinen Handwerksbetrieben, Künstlerwerkstätten und Manufakturen entstandenen Werke – Malereien, Skulpturen, Plastiken, Lacke, Bronzen und auch frühe Porzellane – geben Einblick in diese „chinesische Neuzeit“. In der MAK-Ausstellung gezeigt werden Schnitzlacke feinster Qualität, feu- ervergoldete Bronzefiguren und Porzellane aus den kaiserlichen Manufakturen. Außerdem werden während der Ausstellung verschiedene Rollbilder abwechselnd gezeigt. Ausstellung „Ming. Zwischenspiel“ Dauer: 21. April 2010 – 3. Oktober 2010 Ort: MAK – Museum für Angewandte Kunst, Schausammlung Asien, Stubenring 5, 1010 Wien www.mak.at April 10 45 Alle Bilder: Mak

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